Ana Pečić

Abenteuer aus dem Bälleparadies

„Peter, Emil, Cäsar, Ida, Cäsar“ buchstabiert die große blonde Frau. Ich sehe an ihr hinauf und frage mich, was das bedeuten soll. Wieso muss Mama immer diese komischen Wörter sagen, bevor ich ins Bälleparadies darf?
 
Sie dreht sich zu mir um und klebt mir den runden Sticker auf die Brust. Ich erkenne sofort, dass da mein Name stehen soll. Den geheimen Code, den sie mit der Frau im Bälleparadies ausgetauscht hat, habe ich längst vergessen. „Bis später! Budi pametna*.“ Ich drehe mich sofort zur Glastür und springe aufgeregt von einem Bein auf das andere, bis die Spionin des Bälleparadies das Tor zum Vergnügen öffnet.

Der Pool aus Bällen sieht am Anfang immer viel lustiger aus, als er eigentlich ist. Ich klettere die Stufen zur Rutsche hinauf und sehe dabei zu, wie sich Mama immer weiter entfernt. Ein kleines bisschen Angst breitet sich in meinem Bauch aus. Aber dann erklimme ich die Spitze der knallroten Rutsche und gleite in die bunten Bälle. Unten angekommen, kämpfe ich mich mit meinen kurzen Armen von der Rutsche weg und treibe auf der Oberfläche. Ich nehme einen Ball nach dem anderen in die Hand und schmeiße sie so weit ich kann. Zwischendurch laufe ich immer mal wieder zu den anderen Stationen, wie dem Maltisch oder der Bücherecke. So verbringe ich eine halbe Ewigkeit, bis mich, während ich mit Buntstiften an meiner expressionistischen Interpretation von Gigelgagelarbeite, die Erzieherin fragt, ob ich denn schon weiß, wie man meinen Namen schreiben kann. Um mein Meisterwek zu signieren, denke ich.Ohne sie eines Blickes zu würdigen, nehme ich einen schwarzen Färber-Stift in die Hand und kritzele – nicht ohne Anstrengung – die Buchstaben in die Ecke des Bildes.

A – N – A

„Guck mal, die kann nicht mal ihren eigenen Namen schreiben!“, flüstert das Mädchen neben mir ihrer Freundin ins Ohr. Mit einem dunklen Blitzen in den Augen schnaube ich „Doch, meinen Namen schreibt man nur mit einem ‚N‘.“ Die Erzieherin zieht die Augenbrauen hoch und zeigt ihr hässlichstes Grinsen. „Bist du dir sicher? Meinst du nicht, du hast einfach einen Buchstaben vergessen?“. Bevor ich ihr einen Vortrag über den pädagogischen Wert ihrer sarkastischen Frage halten kann, klopft Mama an die Glastür. Ich ergreife die Möglichkeit und laufe so schnell es meine Socken auf dem glatten Boden erlauben zu ihr hin. Etwas nachdenklich warte ich, bis die Erzieherin mir die Tür aufmacht. Genervt ziehe ich den runden Sticker von meiner Brust. Ich sehe ihn mir etwas genauer an. Mit dickem schwarzen Edding gekritzelt, strahlt mich „ANNA“ an.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.