Ana Pečić
Titelbild, Einführung der Mitglieder

Wilde Auftritte, The Voice und mehr – Los Muertos Muchachos

Vier Männer in grauen Ponchos, schwarzen Sonnenbrillen und roten Sombreros: Die chaotische Coverband Los Muertos Muchachos (dt. “Die toten Männer”) aus Buxtehude sorgt in Norddeutschland schon seit 13 Jahren für wilde Partys. In diesem Interview erzählen mir die Rocker humorvoll von ihren schweren Anfängen, dem Grund warum ihr Frontmann bei The Voice of Germany nicht weitergekommen ist und Bassisten-Klischees

Die Muchachos:

Porträt Frontsänger
Frontsänger Marco Antić
Percussionist Rico Ernst
Cajon- und Schlagzeugspieler Rico Ernst
Gitarrist Gino Ernst
Gitarrist Gino Ernst
Bassist Waldemar Gelhorn
Bassist Waldemar “Wally” Gelhorn
 
Wie kam es zur tatsächlichen Bandgründung?

Gino: Aus einer Schnapsidee entwickelte sich der Name Los Muertos Muchachos und das ganze drum herum. Das ist schon über 13 Jahre her. Damals konnten wir alle keine Instrumente spielen, wollten aber unbedigt eine Band gründen. Wir dachten wir machen es besser als alle anderen. Dann haben ich, Rico und Marco im Frühjahr 2007 angefangen Instrumente zu lernen. Ein halbes Jahr später hatten wir unseren ersten Auftritt. Der war mehr witzig als alles andere. Danach haben wir einfach immer weiter gemacht.

Rico: Anfangs waren wir echt schlecht! Wir dachten, wenn wir schon schlecht sind, dann mit viel Quatsch auf der Bühne. Anfangs war es eher eine Comedyshow als Musik. Wir wollten, dass sich jeder mit uns wohl fühlt und mitfeiern kann. Wir haben unseren Quatsch immer auf die Spitze getrieben. Manchmal haben wir es auch sehr übertrieben, aber das was gut lief, haben wir behalten. Mit den Jahren haben wir einen sehr guten Mix gefunden.

Marco, du warst Teilnehmer bei The Voice und deine Bandmitglieder haben dich dabei unterstützt. Wie sieht der Weg bis zum TV-Auftritt bei The Voice aus?

Marco: Man muss, wie bei vielen anderen Castingshows, durch mehrere Runden kommen, bevor man im TV auftreten kann. Ich hatte mich mit meiner Schwester vor vielen Jahren in der zweiten Staffel von The Voice als Duett beworben und da standen wir auch in der letzten Vorrunde vor dem TV-Auftritt. Da aber nur sehr wenige Duette auftreten sollten, hatte es bei uns dann doch nicht geklappt. 2017 bin ich dann aber durch Zufall wieder dazugekommen. Von meiner Arbeit aus gab es eine Veranstaltung von ProSieben. Da wurde gefragt, ob jemand aus dem Publikum Lust hat, auf der Bühne zu singen. Dann habe ich mich gemeldet und ohne Begleitung “TNT” von ACDC gesungen. Danach habe ich die Einladung zum Vorcasting vor dem TV-Auftritt bekommen. Die fanden mich so gut, dass ich auch vor der Jury im Live-Fernsehen singen sollte.

Beim TV-Auftritt hat es dann leider nicht gereicht. Woran liegt das?

Gino: Er hat beim Auftritt relativ „extrem“ gesungen. So singt er normalerweise nicht. Zum Aufwärmen benutzt er verschiedene Techniken, um die Stimme aufzuwärmen. Danach hätte Marco dann eigentlich „normal“ gesungen. Als die Produzenten seine „extremere“ Aufwärm-Stimme gehört haben, meinten die „Hey, das klingt geil, wie wärs wenn du so singst?“ Die haben dann auch das Lied, das er gesungen hat, zwei Ganztöne höher gespielt, als Marco es normalerweise singt. Dadurch geht im Vergleich zur Originalversion viel Druck und Kraft verloren, was am Ende von der Jury kritisiert wurde. 

Rico: Man muss allerdings auch dazu sagen, dass viele denken Castingshows sind komplett gestellt und man muss sich zum Affen machen. Das stimmt so nicht. Die haben uns bei dem Beitrag alle Freiheiten gegeben und wir haben uns dann selbst ein bisschen zum Affen gemacht. Es gab auch viel Material, das nicht gesendet wurde, aber sehr lustig gewesen ist.

Gino: Wir waren Backstage ja auch dabei. Die waren auch wirklich sehr entspannt da. Es gab dann auch eine kurze Unterbrechung und die Jury ist zum Rauchen gegangen. Wir wären fast auch mitgegangen, aber haben uns wegen Zeit doch dagegen entschieden. Wenn wir Rauchen gegangen wären, hätten wir die Jury kennenlernen können.

Die Reaktionen unter dem YouTube Video des Auftritts sind sehr positiv. Wieso hat es für die Jury nicht gereicht?

Marco: Der Song war natürlich nicht optimal, um viele Facetten zu zeigen. Yvonne Catterfield war nach dem Auftritt total geschockt. „Ist das krass! Wie kann man denn so singen?“ meinte die zu mir. Wenn das die Reaktion ist, dann ist mein Auftritt ja etwas Extremes gewesen. Ich frage mich, ob es mit meiner normalen Stimme nicht besser geklappt hätte. Meine Erfahrungen waren insgesamt wirklich positiv, auch die Resonanz war gute Werbung für unsere Band. Aber natürlich hätte ich gerne noch mehr Facetten gezeigt.

Gino: In der nächsten Runde hätte er dann vielleicht Rihanna singen müssen, um weiterzukommen. (lacht)

Eure Bandgeschichte beginnt laut eurer Webseite bereits im Jahre 1846. Was hat es damit auf sich?

Marco: Wir haben uns am Anfang dieses Gimmick mit den Kostümen ausgedacht. Dazu mussten wir uns natürlich auch eine Geschichte überlegen. Diese besagt, dass die Los Muertos Muchachos die Begründer des Rock’n’Roll sind und Little Richard, Elvis Presley usw. Starthilfe gegeben haben.

Gino: Genau! Elvis konnte tanzen, aber ihm fehlte die Musik und dabei haben wir dann geholfen.

Marco: Johnny Cash auch! Offiziell wurden die Los Muertos Muchachos 1846 in Death Valley, Texas, gegründet. Nach unserem damaligen Erfolg haben wir uns zur Ruhe gesetzt und sind in unsere Gräber hinabgestiegen. Nachdem wir 2007 bemerkt haben, dass die Musik der Welt immer schlechter wird, haben wir uns entschlossen doch nochmal Musik zu machen. Quasi Missionarsarbeit!

Die Los Muertos Muchachos gibt es dann schon sehr lange! Wie kommt es, dass ihr euch so gut versteht?

Gino: Wir haben da eine ganz gute Technik: Wenn es etwas gibt, auf das keiner Lust hat, zum Beispiel etwas aus dem Auto holen, dann sagt jeder „Ich bin raus“. Der letzte, der es sagt, hat dann die Arschkarte. Damit ist so gut wie jeder Streit ganz schnell geklärt. Wenn es aber um Anfragen geht, bei denen sich jemand unwohl fühlt, halten wir zusammen und lassen die Finger davon.

Woher kennt ihr euch?

Gino: Rico und ich sind Brüder und wir sind ’98 nach Buxtehude gezogen. Zufällig in das Haus, in dem Marco wohnt. Ein paar Jahre später haben wir dann Waldemar kennengelernt. Er war in den frühen Jahren unser größter besoffener Fan! Als aber unser erster Bassist ausgestiegen ist, brauchten wir jemand anderen, der einen Bass festhalten kann. Das klappte mit ihm ganz gut.

Waldemar: Mehr braucht man zum Bassspielen ja auch nicht.

Rico: Als Wally dazugekommen ist, ging es steil bergauf. Da wollten wir dann gucken, wie weit wir es bringen können. Eigentlich wollten wir ja nur Stadtfeste und sowas bespielen, aber irgendwann wurde es dann doch etwas mehr.

Inwiefern mehr?

Gino: Nachdem wir bei The Voice of Germany waren, haben wir aus ganz Deutschland zahlreiche Anfragen bekommen. Weil wir nicht so weit fahren wollten, haben wir besonders hohe Preisvorstellungen rausgeschickt und jede Menge Absagen bekommen. Eine Anfrage wollte uns aber trotzdem haben, doch es stellte sich heraus, dass es sich um eine Untergrund-Nazi-Gruppierung handelte. Dann haben wir uns gemeinsam gegen den Auftritt entschlossen.

Spielt Politik bei der Entscheidung eine Rolle?

Marco: Eigentlich nicht. Wir haben schon in vielen verschiedenen Rocker-Clubs gespielt. Sofern politische Einstellungen nicht offen vorgelebt werden und in den Mittelpunkt gerückt werden, spielen wir überall, wenn alles andere passt. Wenn wir von vorn herein den Eindruck haben, dass wir hier falsch sind, dann spielen wir auch nicht. Wir sind eine sehr offene Truppe. Wir sind im Prinzip eine Multikulti-Band. Ich bin Serbe, Wally ist Kasache, und Rico und Gino haben auch ihre Vorfahren überall. Dementsprechend sind wir sehr tolerante Menschen und suchen mit dieser Einstellung auch unsere Auftritte aus.

Rico und Gino, ihr seid Endorser für Instrumentenfirmen. Könnt ihr kurz für unsere Leser erklären, was das ist?

Gino: Ich benutze zum Beispiel Effektpedale von Dime Head Electronics und Rico benutzt Cajons von Cajon Studios. Die bekommen wir von den Firmen zugeschickt und dafür machen wir etwas Werbung für die Produkte, zum Beispiel in Form von Erfahrungsberichten.

Wie kam es zu der Kooperation?

Gino: Ich bin da über unseren Techniker reingerutscht. Ich wusste nicht genau, was es war, aber mir fehlte etwas beim Spielen, eine Art Effekt. Dann habe ich das unserem Techniker erzählt, der mir dann Dime Head empfohlen hat. Eins führte zum anderen, jetzt fehlt nichts mehr!

Rico: Ich bin jemand, der auf der Bühne gerne Quatsch macht. Ich werfe dann mal meine Sticks in die Luft oder headbange im Takt. Irgendwann habe ich viele Clips von meinem Quatsch auf dem Cajon zusammengeschnitten und an die Instrumentenhersteller geschickt, die ich gut fand. Dann habe ich ganz schnell zu Cajon Studios gefunden.

Gino: Man muss aber auch dazu sagen, dass Rico eine ganz besondere Technik beim Spielen hat. Mit der linken Hand spielt er die Cajon und mit der rechten spielt er die Becken. Er hat dadurch einen Sound kreiert, der sich trotzdem wie ein Schlagzeug anhört. Darum beneiden ihn auch viele, weil das für sie zu viel Koordination ist!

Waldemar, bei jedem Bandmitglied gibt es auf der Webseite eine lange Beschreibung. Bei dir steht nur „Er spielt Bass“. Bedienst du damit das Bassisten-Klischee?

Rico: Er ist das Urgestein aller Bassisten-Witze. Ich muss nur ein wenig gegen eine seiner Saiten stoßen und dann ist er total verloren, weil er sie nicht stimmen kann. Dabei hat er nur vier Stück davon! (lacht)

Waldemar: Bei meinem ersten Auftritt ist mir das tatsächlich passiert! Da wurde mir beim Stimmen vom Publikum aus zugerufen „Dreh auf! Dreh auf“! Bis die Saite endlich gestimmt war. 

 

Interesse geweckt? Alle wichtigen Infos, kommenden Veranstaltungen und Buchungen laufen über die Webseite der Los Muertos Muchachos. Dieses Interview ist im Rahmen der “Buxtehuder Geschichten”-Serie entstanden. Weitere Interviews erscheinen hier. Um kein Interview zu verpassen, kann man sich in den Newsletter eintragen. 

Kennt ihr jemanden, der eine spannende Geschichte zu erzählen hat oder Werbung für sein neues Projekt machen möchte? Meldet euch bei mir unter kontakt@anapecic.de.

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