Ana Pečić

Kaugummi

Jeder Schritt ist wie ein Tritt in und aus einen Kaugummi. Das klebrige Etwas krallt sich an dir fest und erschwert dir jedes Heben der Ferse. Mit jedem Schritt wird der Kaugummi ein ganz kleines bisschen härter und jedes Heben ein ganz kleines bisschen schwerer.

Irgendwann fühlt sich der Fuß so schwer an, dass man an nichts anderes als den Kaugummi denken kann. Das Kaugummi-Problem wird davon so groß, dass das gesamte Bein davon eingenommen wird. Mit letzter Kraft schiebt man gegen die lederartigen Kaugummi-Probleme, bis der Kaugummi das ganze Sein einnimmt. Wie eine Marionette steht man dann in den vielen Kaugummi-Fäden, die einen zurückhalten möchten. Das Kaugummi-Problem ist eine Kaugummi-Krise geworden. 

Der Körper bebt innerlich vor lauter Kaugummi, doch man lässt ihn nicht heraus. Man fühlt sich als würde der Kaugummi keine Berechtigung haben, als dürfte man gar keinen Kaugummi haben. Also wehrt man sich nicht gegen die Kaugummi-Krise und behält den Kaugummi für sich. Die Kaugummi-Fäden werden zu Kaugummi-Seilen und die Kaugummi-Krise bringt einen zum Stillstand.

Man hat zwei Möglichkeiten: Sturm oder Regen? Der Sturm würde die Kaugummi-Krise vertreiben und der Kaugummi am Fuß würde endlich loslassen, doch vielleicht–vielleicht, vielleicht–würde das ein oder andere Kaugummi-Seil große Schäden hinterlassen.

Doch natürlich kommt es zum Regen. Das Beben wird zu einem rhythmischen Schütteln und hektischem Atem. Der Regen treibt den Kaugummi weg. Der Kaugummi kehrt zurück zu seiner ursprünglichen Form an der Ferse. Er zieht nur noch ein ganz kleines bisschen am Fuß. Man merkt es kaum.

Doch eines Tages, da wächst er wieder, und dann vielleicht noch ein wenig mehr.

 

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